Die Tochter von Jairus

In der Bibel wird von einem 12-jährigen Mädchen berichtet, allerdings aus der Sicht der Erwachsenen. Ich will einmal versuchen, das Kind selbst berichten zu lassen. Natürlich kann ich das nicht wirklich, schließlich habe ich sie nie getroffen und fragen können, wie sie das Erlebte empfunden hat. Aber ich probiere, mich in ihre Haut zu versetzen:

„Mein Vater ist in unserer Stadt ziemlich bekannt. Durch seinen Beruf ist er angesehen und wird respektvoll gegrüßt, wenn er irgendwo hinkommt. Das finde ich toll, weil dadurch die Menschen automatisch auch mit mir freundlich umgehen.

Seit Tagen jedoch nutzt mir das nichts mehr. Es geht mir nämlich richtig schlecht. Ich weiß nicht, was mit mir los ist. Wenn meine Eltern an mein Bett treten, um nach mir zu schauen, sehe ich, dass sie immer besorgter sind. Das macht mir Angst. Habe ich etwa eine gefährliche Krankheit?
Diese Beklemmung macht mich zusätzlich fertig, dabei bin ich schon schlapp genug. Eigentlich will ich nur noch schlafen.

Tatsächlich muss ich eingeschlafen sein. Ich werde davon wach, dass mein Vater mit meiner Mutter redet. Er ist ganz aufgewühlt, als er sagt: „Das ist unsere letzte Chance. Sie stirbt uns sonst unter den Händen weg!“
Meine Mutter schluchzt auf: „Ja, geh schnell. Dieser Jesus ist zufällig in der Nähe. Wenn einer helfen kann, dann nur er!“ Als Nächstes fügt sie hinzu: „Wenn es bloß nicht zu spät ist!“

Ich höre, wie mein Papa das Haus verlässt und meine Mama sich wieder an mein Bett setzt. Ich überlege: „Wenn es bloß nicht zu spät ist? Was meint Mama damit? Muss ich jetzt sterben?“
Irgendwann schlafe ich erneut ein. Wirre Träume plagen mich. Doch auf einmal ist nichts mehr da. Ja, ich merke, dass ich nicht mehr da bin. Mein Körper liegt zwar genau wie vorher im Bett, aber ich selbst bin weg.

Wie viel Zeit vergangen ist, weiß ich nicht. Das Nächste, was ich wahrnehme, ist eine Stimme. Freundlich und doch bestimmend ruft sie: „Mädchen, steh auf!“ Als ich die Augen aufschlage, sehe ich einen Mann vor mir, der meine Hand hält. Er strahlt eine warme Herzlichkeit aus und nickt mir aufmunternd zu. Da schwinge ich meine Beine über die Bettkante und springe auf. Plötzlich wird mir bewusst, dass ich doch eigentlich krank bin. Doch davon merke ich überhaupt nichts mehr. Stattdessen habe ich Hunger. Seit Tagen hatte ich nicht einmal einen Krümel gegessen und jetzt wird mir fast flau im Magen, solch einen Kohldampf habe ich. Aber meine Eltern merken das nicht, weil sie selber völlig aus dem Häuschen sind.

„Sie lebt!“, ruft Mama und umarmt mich stürmisch. Mein Vater wischt sich ein paar Tränen aus den Augen und strahlt mich fassungslos an. Er schlingt die Arme um uns, um Mama und mich. Doch da sagt der sympathische Mann: „Jetzt gebt ihr erst einmal zu essen!“ Dieser Mann hat wirklich den Durchblick und weiß, was ich brauche.“

Und das gilt für jeden von uns: Jesus weiß genau, was du und ich brauchen. Und er gibt es uns gerne. Deshalb ist es nur vernünftig, wenn wir ihm erzählen, wie es uns geht – und ihn mutig um das bitten, was wir nötig haben.